Erfahrungsbericht 4. Klasse - gemeinsam da durch!

"TGIF" - schon mal gehört? Als ich zum ersten mal eine E-Mail mit diesem Kürzel bekommen habe musste ich erstmal recherchieren - und fand heraus: "Thank God it's Friday". Für viele ist das ein normaler Rhythmus. Die Woche beginnt mit dem Montagsblues, Lichtblick ist der Freitag, darauf folgt ein (viel zu kurzes) Wochenende bevor es wieder von vorne beginnt. Seit wann ist das eigentlich so?


Schritt für Schritt zu TGIF


Dank meiner Kinder darf ich zwei unterschiedliche, wichtige Lebensphasen noch einmal als Beobachter erleben: Unser Sohn wurde gerade eingeschult und unsere Tochter ist in der 4. Klasse, dem berühmt-berüchtigten Übertrittsjahr. Der Kontrast zwischen den beiden zeigt mir: die vierte Klasse ist wohl ein einschneidender Zeitpunkt, an dem Kinder beginnen, sich am Montag auf Freitag zu freuen, anstatt auf den nächsten Tag. An dem die Leichtigkeit des Kindseins kleiner und der Druck größer wird. Unser Erstklässler dagegen ist noch voller Euphorie und Neugier. Er will unbedingt Lesen und Rechnen lernen, am besten schon morgen. An ihm sieht man sehr schön, dass Kinder diesen Wissensdurst und die Lust, Neues zu lernen, in sich tragen. Dass wir gar nicht motivieren müssen, es reicht schon die vorhandene Motivation zu bewahren.


Soweit die Theorie


Bei unserer Tochter kam natürlich auch irgendwann nach dem Schulstart eine Ernüchterung, die Anfangseuphorie schwindet, es gibt erste kleinere Frustrationsmomente und auch dass die Lust auf Hausaufgaben nicht bis zum Schulabschluss bleibt, ist normal. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass sie gut klarkommt, sie gerne zur Schule geht - auch jetzt noch. Rückschläge und Frustrationserlebnisse bei den eigenen Kindern mitzuerleben fällt einem als Vater oder Mutter vermutlich nie leicht. Trotzdem bin ich überzeugt, dass sie dazugehören, dass es wichtige Erfahrungen sind, an denen die Kinder wachsen können. Nur - wie kann ich einer 9-jährigen vermitteln, dass es gut für sie ist, nach 6 Schulstunden und 2 Stunden Hausaufgaben auch noch für die anstehenden Proben zu lernen? Und will ich das überhaupt, dass sie sich von 8 bis 17 Uhr mit der Schule beschäftigt? Sie soll doch auch noch Zeit zum Spielen, für ihre Freundinnen und ihren Sport haben. Wie muntere ich sie auf, wenn sie jeden Tag nicht nur mit dem neuen Stoff, sondern auch mit dem Wissensrückstand kämpft, der aufgrund von Corona entstanden ist?


Augen zu und durch?


Klar, wir machen ihr Mut, versuchen für sie da zu sein und ihr zu helfen, sich nicht unterkriegen zu lassen und Wissenslücken zu schließen. Wir haben die Hoffnung, dass sich erst wieder alles einspielen muss und sich die Situation über die Zeit zum Positiven entwickelt. Trotzdem fühlt sich die Situation oft nicht gut und richtig an. Muss das wirklich so laufen, dass sich die anfängliche Euphorie und Lernmotivation zunehmend in Frust und Abneigung gegenüber Lernen und Schule wandelt? Die naheliegende Antwort liegt einem auf der Zuge: Klar ist das so! Das war bei uns auch schon so, das ist bei allen anderen Kindern auch so. Nehmen wir das also als gegeben hin? Genauso wie wir es in vielen Unternehmen als normal empfinden, dass sich anfangs motivierte, engagierte neue Kollegen über die Jahre zu frustrierten, innerlich gekündigten Mitarbeitern entwickeln?


Ich glaube, das können wir besser


Ich weigere mich, das als unveränderliche Tatsache hinzunehmen. Bin überzeugt, dass wir das besser können. Kindgerechter. Weniger frustrierend. Bestärkender. Ich glaube es gibt einen Weg, Kindern wichtige Kompetenzen in Fächern wie Mathe, Deutsch zu vermitteln und ihnen trotzdem den Raum zu geben, ihre persönlichen Stärken und Talente zu erleben. Auch wenn diese in anderen Bereichen als den Hauptfächern liegen. Wir können ihnen Lerninhalte altersgerechter aufbereiten, um ihnen einen besseren Zugang zu ermöglichen. Damit sie besser erkennen können, warum es sich lohnt zu lernen und neugierig zu bleiben. Dafür müssten wir uns wohl des Öfteren von Lückentexten, Auswendig lernen oder allzu theoretischen Mathe-Aufgaben verabschieden. Und uns dafür die Mühe machen, uns beim Definieren der Lerninhalte in den kindlichen Blick auf diese Welt einzufühlen.


Träumer?


Im Kultusministerium fühlt und denkt man sich in Zukunft also in Kinder ein, wenn man den Lehrplan schreibt? Vielleicht werden Kinder sogar eingebunden um herauszufinden, auf welche Art und Weise die Inhalte den Kindern am besten vermittelt werden können?? Ok, ich weiß - vermutlich ist dieser Wunsch wenig realistisch. Manchmal geht der Träumer in mir durch. Das habe ich mir jetzt einfach mal erlaubt. Und irgendwann sitzen ja mal die Kinder, die aktuell in die Schule gehen, im Kultusministerium. Und verändern vielleicht wirklich etwas? Damit sie das tun können, müssen sie aber erstmal mit unserer Hilfe durch die Schule kommen. Das klingt nach einem motivierenden Plan. Na dann - gemeinsam da durch!

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