Positiv denken während Corona – geht das wirklich?


Heute ein "Gastbeitrag" meiner Frau zur Achterbahnfahrt in und mit unserer Familie in der aktuellen Zeit:

Heute war ein schwieriger Tag, gestern eigentlich auch und wenn ich ehrlich bin geht das jetzt schon eine ganze Weile so. Dabei „darf“ ich mich doch gar nicht beschweren. Wir haben ein Haus und einen wunderschönen Garten, leben herrlich idyllisch auf dem Dorf mit Wald & Wiesen um uns rum und alle sind gesund. Soweit so gut. Doch auch wir kämpfen hier mit dem neuen Alltag. Mein Mann und ich arbeiten beide im Homeoffice, unsere Tochter (3. Klasse) wird nun so gut es geht zuhause unterrichtet und unser Sohn (Vorschulkind) braucht natürlich auch Aufmerksamkeit, möchte gefordert werden mit Vorschulblättern, Fußball spielen und Gesellschaftsspiele machen. Irgendwie kämpfen wir uns durch. Wie wahrscheinlich alle anderen Menschen auch, stell ich mir natürlich sehr oft die Frage wie das alles weitergehen soll und wird. Und dabei ertappe ich mich immer mehr wie ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit negativ denke, statt positiv. Heute fiel mir das das erste Mal direkt beim Aussprechen auf und ich bin selbst erschrocken: Ich habe mit einer Freundin telefoniert und wir haben uns beide versucht Mut zu machen, wir haben über unsere Jungs geredet, die beide ab September in die Schule kommen und wie weh uns das tut, dass sie nun – vermutlich –keinen richtigen Kindergarten-Abschluss haben werden. Da meinte ich zu ihr, dass ich gespannt bin ob die Kinder überhaupt im September eingeschult werden, vielleicht verschiebt man das ja auch auf 01.01. oder so. Warum denke ich so? Wieso bin ich plötzlich so negativ? Diese Frage beschäftigt mich seitdem sehr.

Ich würde mich eigentlich als sehr positiven Menschen bezeichnen. Ich sage zwar ziemlich klar was ich gut und schlecht finde, bin aber was schwierige Situationen betrifft davon überzeugt, dass alles gut wird und damit immer gut gefahren. Auch in der bisher schlimmsten Zeit meines Lebens als meine Mama mit 48 Jahren an Krebs gestorben ist, habe ich mich an den positiven Dingen festgehalten und ich kann mich bis heute an meinen Tagebucheintrag erinnern am Tag ihrer Beerdigung. Ich war glücklich und dankbar so wundervolle Freunde zu haben, die alle kamen und mir zur Seite standen. Das war mein Fazit eines wirklich schweren Tages. Auch die Zeit nach ihrem Tod war für mich und meine Familie natürlich schwierig, aber ich bin der festen Überzeugung, dass es für mich persönlich positiv war. Ich habe mich weiterentwickelt, Stärke gezeigt. Nicht (oder nur selten) mit dem Schicksal gehadert.

Jetzt bin ich wieder in einer Extremsituation, diesmal mit meiner eigenen Familie. Und ich war anfangs noch genauso positiv wie immer. Ich war davon überzeugt, dass diese Zeit für uns alle wichtig und gut ist und es das Beste ist, es anzunehmen und daran zu wachsen. Jetzt, 6 Wochen später, merke ich wie mir diese positive Energie entgleitet, ich sogar selbst wüste Theorien aufstelle oder von anderen annehme. Ich habe das Gefühl, wenn ich positiv bleibe, werde ich enttäuscht. Aber ist das wirklich so? Raubt mir das nicht am Ende des Tages die Energie, die ich gerade so dringend bräuchte um den Alltag zu meistern?

In den Nachrichten, im Radio, im Internet hören und lesen wir gerade so viel Negatives. Auch die Nachbarn, Freunde, Familienmitglieder mit denen man spricht, teilen ihre Sorgen mit und ja, auch da ist viel Negatives dabei. Jeder von uns hat seine eigenen Hoffnungen – situationsbedingt. Die einen hoffen, dass sie ihre Läden wieder öffnen dürfen, die anderen bangen um ihre Restaurants oder um die Arbeitsplätze. Wieder andere wünschen sich einen schnellen Schulstart oder Kindergartenstart, es fehlen die sozialen Kontakte. Jeder hat seine Bedürfnisse, die er nun lange zurückgestellt hat und die gestillt werden wollen. Wenn ich mir nun zu große Hoffnungen mache – sprich, positiv denke – habe ich Angst vor der Enttäuschung.

Ich glaube jedoch, dass nur kreative positive Dinge entstehen können, wenn wir positiv bleiben und neue Gedanken, neue Ideen zulassen. Es ist völlig normal, dass uns genau das momentan schwerfällt. Aber wenn ich zum Beispiel an meine Kinder denke, ist dies so unglaublich wichtig. Die sitzen seit Wochen zuhause ohne Kontakt zu anderen Kindern, ohne Schule und Kindergarten und ohne ihren so geliebten Sport. Warum aber sollte Sport mit anderen Kindern nicht möglich sein? Es wird nicht mehr so möglich sein wie vorher, es müssen Abstandsregeln, Hygienemaßnahmen eingehalten werden, aber es gäbe so viele Möglichkeiten hier zumindest einige Sportaktivitäten der Kinder wieder zuzulassen – wenn man positiv bleibt und die daraus entstehende Kreativität nutzt.

Ich habe mir auf jeden Fall eines heute fest vorgenommen: Corona macht mich nicht zu einem negativen Menschen. Das bin ich nicht, war ich nie und werde ich nie sein. Denn das bestimme nur ich alleine. Ich storniere unseren heißgeliebten Bauernhof Urlaub in Österreich erst, wenn ich definitiv weiß, dass wir nicht fahren dürfen. Keinen Tag früher. Und wenn es nicht sein soll ist es eben so, ändern kann ich daran eh nichts. Bis dahin versuche ich mich an das zu erinnern was ich mal so gut konnte und wieder lernen werde „POSITIV DENKEN“.

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