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"Jetzt ist halt irgendwie alles ganz anders"

17/03/2020

 

 

  

„Jetzt is hoid irgendwie ois ganz anders.
Gestern wars noch so wie früher und jetzt, jetzt is' so wie nachher.“

 

 

Das Zitat stammt aus meiner Lieblingsserie "Irgendwie und Sowieso" und - irgendwie - finde ich passt es sehr gut zu unserer aktuellen Zeit. Innerhalb kürzester Zeit verändert sich unser Alltagsleben massiv und es ist schwer abzuschätzen, was als nächstes kommt, wie lange die Corona-Krise noch anhält und wie stark sich das alles auf unsere Wirtschaft auswirkt. Das verunsichert, macht Angst und stellt uns als Gesellschaft und jeden Einzelnen auf eine Belastungsprobe. Und vor die Frage: was machen wir jetzt daraus?

 

Die ersten Videos und Social Media-Posts stehen schon online, die uns zurufen: Mund abwischen, aufstehen, weitermachen! Sorry liebe Motivatoren da draußen: da bin ich anderer Meinung.

 

Natürlich hilft es nichts, den Kopf in den Sand zu stecken, in Panik zu verfallen und sich die Zukunft in düsteren Farben auszumalen. Unsere Zuversicht und vor allem die Gewissheit, dass es an uns liegt, wie wir auf diese Situation reagieren, dürfen wir uns nicht nehmen lassen. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die größten Krisen auch die größten Chancen mit sich bringen - und wir diesen Chancen mit "Aufstehen und dann weitermachen wie zuvor" nicht annähernd gerecht werden.

 

Durch die Absage (fast) aller Termine in den nächsten Wochen war in meinem ursprünglich ziemlich vollen Kalender schlagartig viel freie Zeit. Wären alle diese Termine wirklich wichtig gewesen? Für mich persönlich würde ich sagen: etwa die Hälfte eher nicht. Und wenn das so ist: warum beschäftigen wir uns so oft mit Dingen, die nicht wichtig sind? Otto Scharmer hat in seinem sehr lesenswerten Artikel "Eight Emerging Lessons: From Coronavirus to Climate Action" beschrieben, welche Erkenntnisse wir aus dem Coronavirus ziehen können. Die zwei für mich wichtigsten Kernfragen seines Artikels sind:

 

"Was würde übrig bleiben, wenn wir diese Krise nutzen würden, um alles in unserem Leben, unserer Arbeit, unserem Alltag auszusortieren, das nicht unbedingt notwendig ist?"

 

"Wie könnten wir diese freie Zeit nutzen, um unser Zusammenleben, unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft neu zu gestalten?"

 

Weg vom ich-bezogenen "Ego-System" hin zum wir-bezogenen "Eco-System", davon spricht Otto Scharmer in seinem Buch "Leading from the Emerging Future". Die letzten Jahre waren geprägt von unendlichen Diskussionen und Demonstrationen für mehr Klimaschutz - ohne signifikante Erfolge. Jetzt zeigen uns die Bilder von Delphinen, die erstmals seit Jahren im Hafen von Triest gesehen wurden (https://www.miss.at/positive-seite-corona-krise-delfine-kommen-zurueck-nach-triest/) und Satellitenbilder von einer messbaren Luftverbesserung, dass die Corona-Krise für die Natur durchaus positive Effekte hat. 

 

Je größer das Chaos, die Verzweiflung und die Unsicherheit noch wird, umso größer wird auch unsere Verantwortung, diese Chance zu nutzen, eine Zukunft zu gestalten, wie wir sie uns wünschen. Eine Gesellschaft mit mehr Mitgefühl, gegenseitiger Akzeptanz und Unterstützung. Eine Gesellschaft, in der wir Rücksicht aufeinander nehmen, anstatt uns gegenseitig das letzte Klopapier wegzukaufen. Eine Gesellschaft, die unterschiedliche Menschen respektiert, achtet und einbindet, anstatt sie auszugrenzen. Eine Gesellschaft, die menschlich mit unseren Fehlern, Unzulänglichkeiten, Ecken und Kanten umgeht, anstatt andere zu beschimpfen und zu verurteilen. Sowohl auf dem Fußballplatz als auch überall anders in unserem Leben. Eine Gesellschaft mit weniger Populismus, Schwarz-Weiß-Denken und "was auch immer...first" und mehr Dialog und Akzeptanz, dass die Ansichten von Menschen unterschiedlich sein dürfen. Eine Gesellschaft in der wir unseren Planeten - den einzigen, den wir haben - respektieren, achten und für zukünftige Generationen bewahren. Eine Gesellschaft in der wir nicht all das betonen, was uns voneinander trennt und unterscheidet, sondern auf die unendlich vielen Dinge schauen, die uns Menschen miteinander verbinden. Jetzt zwingt uns das Leben dazu, unser Verhalten für die nächste Zeit massiv zu ändern. Es liegt an uns, daraus eine echte, dauerhafte Veränderung zu machen. 

 

In Zeiten von sozialer Isolation möchte ich mich gerne per Video-Konferenz mit euch über die aktuelle Situation und eure Ideen und Gedanken, welche Zukunft daraus entstehen kann austauschen. Wer Lust hat schreibt mir bitte eine Mail, dann schicke ich euch Zeiten und Zugangsdaten.
 

 

 

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