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Ankommen und Loslassen

01/08/2018

 

Am 28.6.2018 war es soweit: Ankunft auf dem Markusplatz in Venedig! Wie fühlte sich das an? Gar nicht so leicht zu beschreiben. Im ersten Moment war ich einfach unendlich dankbar, dass ich diesen Weg bis zum Ende gehen durfte, hatte Tränen vor Glück in den Augen. Gleichzeitig war mir bewusst, dass damit eine über drei Jahre dauernde Wanderung endet. Dass ich diesen Beitrag erst einige Wochen nach meiner Ankunft schreibe, liegt auch daran, dass ich diesen Gefühls-Mix lange nicht in Worte fassen konnte. Aber der Reihe nach...

 

Ein Schreckmoment am ersten Tag

 

Fünf Tage zuvor war ich in Belluno gestartet. Die Motivation war hoch und ganz offensichtlich konnte ich den Aufbruch nicht erwarten - um 04:45 Uhr wachte ich ohne Wecker auf und 30 Minuten später war ich nach einem Cappuccino im dunklen Frühstücksraum auf dem Weg. Es ging auf den Nevegal, den letzten echten Berg vor Venedig. Da ich nicht vier Tage mit Bergschuhen durch die danach folgende Ebene gehen wollte, hatte ich mich entschieden, mit meinen Laufschuhen zu wandern. Diese Entscheidung klingt sinnvoll, hätte meine Wanderung aber beinahe am ersten Tag wieder beendet. Auf einem zugewachsenen Grasweg konnte ich eine Kante im Weg nicht sehen, knickte heftig um und stürzte in die Wiese. Mein erster Gedanke: Wenn jetzt ein Band gerissen ist, kann ich direkt wieder nach Hause fahren und es wird erstmal nichts mit Venedig. Ich hatte unglaubliches Glück und merkte nach dem anfänglichen Schmerz, dass nichts ernsthaft kaputt war und ich meinen Weg fortsetzen konnte.

 

 

 

Dankbarkeit und Angst

 

Der Sturz hatte trotzdem Spuren hinterlassen: Einerseits wurde mir deutlich vor Augen geführt, dass Ankommen eben keine Selbstverständlichkeit ist. Jeden Abend war ich dankbar, wenn ich wieder einen Tag geschafft hatte. Andererseits hatte ich ab diesem Moment auch mehr Angst als vorher. Angst, dass auf der Zielgeraden doch noch etwas dazwischenkommen könnte. Eine kurze Unachtsamkeit könnte meinen Traum, in diesem Jahr in Venedig anzukommen, zerstören.

 

 

Flach, aber gar nicht langweilig

 

Die Etappen nach dem Nevegal waren flach, mit über 30km am Tag lang und wenn man mehrere Stunden am Piave-Damm und teilweise an Straßen geht, nicht immer landschaftliche Highlights. Trotzdem waren sie überraschend abwechslungsreich und interessant. Im Blick zurück immer wieder die Berge, aus denen ich kam, neben dem Weg Weinberge und schöne Hügel - unter anderem streifte ich die berühmte Prosecco-Gegend. Ständig präsent waren durch Gedenkstätten und entsprechende Straßen- und Ortsnamen die Spuren der Piave-Schlachten im 1. Weltkrieg.

 

 

 

 

Soviel Zeit für mich war ich nicht gewohnt

 

Da man im Juni noch nicht über die hohen Berge kommt, bin ich zwischen Belluno und Venedig keinem einzigen Mitwanderer begegnet. Das war genau die Einsamkeit, die ich gesucht hatte, mal raus aus dem Alltagsstress und Zeit für mich haben. Das Finden dieser tagelangen Einsamkeit war dann doch ungewohnt. Täglich zwischen sechs und zehn Stunden alleine gehen, dann - manchmal als einziger Gast - in einer Pension in einem italienischen Dorf übernachten. Dazu meine nur rudimentären Italienisch-Kenntnisse. Über alltägliche Dinge konnte ich mich verständigen, für ein echtes Gespräch mit Einheimischen reichte es nicht. Man ist, wie es jemand aus meiner Familie schön ausdrückte "auf sich selbst zurückgeworfen". Und das war ich nicht gewohnt. So sehr ich die Wanderung auch genossen habe, muss ich mir im Nachhinein wohl eingestehen: Dass ich oft schon vor 7 Uhr losgegangen bin war auch Flucht. Flucht vor der Einsamkeit und Langeweile. Flucht vor der Angst, dass doch noch was dazwischenkommt.

 

 

 

Respekt vor dem Ankommen

 

Am letzten Wandertag von Jesolo nach Punta Sabbioni kündigten sich die beiden Gefühle, die später auf dem Markusplatz zusammenkamen, schon an. Einerseits Dankbarkeit durch die zunehmende Gewissheit, dass ich tatsächlich ankommen würde. Ich konnte den Weg an der Lagune entlang und den ersten Abstecher zum Meer bei Cavallino richtig genießen und die Vorfreude auf die Ankunft stieg mit jedem Schritt. Andererseits ging ich so langsam wie noch nie auf der gesamten Tour. Was nicht an meiner Erschöpfung lag, sondern am Respekt vor dem Ankommen. Ich wollte auf dem Markusplatz in Venedig stehen, aber nicht loslassen. Mir nicht eingestehen müssen: Der Traumpfad München-Venedig ist jetzt für mich zu Ende.

 

 

 

Loslassen

 

Loslassen ist der Schlüssel, um das Ankommen am Ziel wirklich genießen zu können. Das ist mir noch nicht auf dem Markusplatz, aber in den Wochen danach bewusstgeworden. Diese Wochen war ich nicht so glücklich und dankbar, wie ich es nach dieser wunderschönen Tour mit diesem positiven Ende eigentlich hätte sein müssen. Ich hatte die schönen Erinnerungen im Kopf, die durch das Gefühl "Schade, dass es jetzt vorbei ist" getrübt waren. Wie habe ich darauf reagiert? Ich habe mich gleich nach dem nächsten Fernwanderweg, dem nächsten Projekt umgesehen. Und hatte auch bald eine Idee, von der ich glaube, dass etwas richtig Gutes daraus entstehen kann. Die Planung und Umsetzung habe ich dann auch gleich gestartet, bis ich gemerkt habe: Ich springe gerade direkt ins nächste Projekt, um mich nicht mit dem Ankommen, mit dem Loslassen beschäftigen zu müssen. Genauso wie ich auf den letzten Etappen möglichst durchgehend auf dem Weg sein wollte, um ja nicht zur Ruhe zu kommen.

 

 

 

 

VIELEN DANK

 

Diese Tour hat mir nicht nur unvergessliche Momente beschert, sondern auch eine für mich sehr wichtige, bewegte Zeit überspannt. Sie gibt der Entwicklung unserer Kinder von Krippe über Kindergarten in die Schule einen Rahmen. Umfasst das Wachstum meiner Selbstständigkeit, die sich in diesen Jahren so unglaublich positiv entwickelt hat wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Und zum Abschluss mal wieder eine Erkenntnis, die mir die Möglichkeit gibt, persönlich zu wachsen. Ein paar kurze Momente gibt es schon, in denen ich merke, wie ich loslasse. Und spüre, dass ich lockerer werde, ganz den Augenblick genießen kann - und dann wieder in mein altes Muster falle. Das ist auch ok. Weil ich weiß: Dieses Loslassen fühlt sich so gut an, dass ich dranbleibe, dass ich es hoffentlich immer etwas öfter schaffe. VIELEN DANK an diese Tour, an diesen Weg, an diese Erkenntnisse. Das alles ist jetzt ein Teil von mir. Und was ich sicher weiß: Das Loslassen werde ich nicht mehr loslassen...

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